Heute stellen wir euch Gabriel, einer unserer Gärtner:innen bei Tiny Farms, vor. Auf unserer Farm in Freienstein-Teufen, unweit von Zürich, setzt er mit Leidenschaft und Expertise fürs Market Gardening unsere Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft in die Praxis um. Ausserdem begleitet Gabriel die Praxiswochenenden der Tiny Farms Academy und vermittelt den Teilnehmenden die Grundlagen des biointensiven Gemüsebaus.
1. Gabriel, erzähl uns kurz von dir: Was hat dich zur Gärtnerei geführt, und warum liegt dir der Gemüsebau so am Herzen?
Seit meiner Jugend bin ich begeistert von Lebensmitteln - vom Feld bis auf den Teller. Ich hatte schon früh eigenes Gemüse, am Anfang noch im Urban Garden Style in Töpfen. Über die Jahre sind meine Gärten stetig gewachsen und haben sich vergrössert und weiterentwickelt. In meinem Umweltingenieur Studium habe ich mich dann definitiv angefangen für die Gemüseproduktion als Beruf zu interessieren. Über die Permakultur habe ich zum regenerativen Gemüsebau und Market Gardening gefunden, was mich total begeistert hat. Während dem Studium habe ich gelernt, wie die natürlichen Prozesse vom kleinen Bakterium bis zur genussreifen Tomate funktionieren und das breite Wissen für meine Leidenschaft Gemüsebau nutzen zu können.
Wenn ich nun auf dem Feld arbeite, sehe ich nicht nur die Gemüsepflanzen und was gerade zu tun ist im Marktgarten, sondern auch wie das Bodenleben mit den Pflanzen interagiert, was die Zusammenhänge im Ökosystem Gemüsefeld sind und wo es etwas Unterstützung braucht, damit die Pflanzen sich gut entwickeln und eine schmackhafte, gesunde Ernte ermöglichen.
2. Du arbeitest nun in Freienstein-Teufen, einer Schweizer Region mit viel Potenzial für nachhaltige Landwirtschaft. Was macht die Gegend besonders für dich?
Das Schloss Teufen ist ein wunderbarer Ort für Begegnungen, mit Menschen und mit der Natur rundherum. Eingebettet in der weichen Hügellandschaft vom Irchel, umgeben von Wäldern und Reben entsteht nun unsere jüngste Tiny Farm.
Zum Schlossgelände passt ein klein strukturierter Gemüsebetrieb perfekt. So wurden in früheren Zeiten bereits einmal Gemüse auf den Terrassen des Schlosses kultiviert. Ein Toller Ort für das Lernen und um Menschen das Potential von Market Gardening in der Praxis zu zeigen.
3. Was bedeutet „regenerative Landwirtschaft“ für dich in der Praxis?
Für mich bedeutet regenerativ zu arbeiten auf ein lebendiges, resilientes Bodenökosystem hinzuarbeiten und dieses mit meinen Praktiken im Alltag stetig zu fördern. Dabei spielen Kompost und deren Mikroorganismen eine Hauptrolle. Und natürlich die Pflanzen selbst, welche mit den Mikroorganismen zusammenarbeiten und einen regen Austausch an Nährstoffen und Pflanzensäften betreiben. Wenn immer möglich soll eine lebendige Pflanzenwurzel im Boden sein und dieser auf eine Art und Weise bedeckt, geschützt sein. Regenerativ zu arbeiten bedeutet für mich aber auch, in manchen Punkten pragmatisch zu sein. So zu handeln, dass die Arbeit im jetzigen Kontext machbar und sinnvoll ist. Ein gutes Beispiel dafür ist der Einsatz von Plastik auf dem Feld. Das Material in seinen verschiedenen Formen ist eine immense Stütze bei der biologischen Unkraut- und Schädlingsregulierung. Für mich gibt es da eine Art Hassliebe. Die Arbeitserleichterung, welche sich daraus ergibt, ist nicht wegzudenken, und trotzdem möchte ich so wenig wie möglich davon einsetzen. Das wichtigste ist die Grundrichtung und ein lösungsorientierter Ansatz. Damit wächst das Agrarökosystem Marktgarten langfristig und wird stabiler.
4. Die Tiny Farms Academy bietet nun auch einen Standort in der Schweiz. Was fasziniert dich an der Idee, Wissen weiterzugeben?